Artikel von:
Christian Trant VKa 09.01.2012
Gröbenzeller Straße 26
82178 Puchheim
Problemerörterung
Verbreitung von Informationen im Internet -
Chance oder Gefahr für die Nachrichtenkultur?
Gliederung
1. Einleitung
2. Hauptteil
2.1. Chancen für die Nachrichtenkultur
2.1.1. Vielfalt und Verfügbarkeit von Informationen
2.1.2. Veröffentlichung von Nachrichten und Diskussionen
2.1.3. Informationsselektion durch Individualisierung der Nachrichtenströme
2.2. Gefahren für die Nachrichtenkultur
2.2.1. Isolation durch automatisierte Individualisierung
2.2.2. Qualität und Verifizierbarkeit der Informationen
2.2.3. Reflektionsfähigkeit und Selbstdarstellung des Publikums
2.3. Persönliche Schlussfolgerung
3. Schluss
1. Einleitung
“Auf der Suche nach dem Ursprung der Medien betrachten wir zunächst die Zeit der römischen Herrschaft. Etwa 50 v.Chr. hatte Julius Cäsar die Idee, die Menschen von seinen Ruhmestaten zu unterrichten. So ließ er in der ganzen Stadt Nachrichtenseiten aushängen. Es ist die Geburt der Zeitung, das älteste bekannte Medium, und zugleich der Anfang der Propaganda.”
Quelle: http://www.dtp-neuemedien.de/neue-medien/alte-und-neue-medien.htm
Im letzten Drittel des 20. Jahrhunderts haben wir, durch die Bereitstellung des Internets, begonnen Informationen stärker als bisher zu verteilen und untereinander zu vernetzen und sie somit immer mehr Menschen schneller und einfacher zur Verfügung zu stellen.
Seit der flächendeckenden Bereitstellung des Internets und der Einführung des Web 2.0 ist es sehr vielen Menschen möglich, ihre Meinung und ihr Wissen öffentlich und weltweit zur Verfügung zu stellen. Jeder Internetteilnehmer kann Einfluss auf die Bildung und Meinungsbildung der Anderer nehmen und seine Meinung kann durch nahezu jeden Menschen beeinflusst werden.
Stellen die neuen Verbreitungsmöglichkeiten von Informationen über das Internet eine Chance oder eine Gefahr für die Nachrichtenkultur dar?
2. Hauptteil
2.1. Chancen für die Nachrichtenkultur
2.1.1. Vielfalt und Verfügbarkeit von Informationen
2.1.1.1. These
Im Internet, in den Blogs und den sozialen Netzwerken kann jeder Erfahrungen und Nachrichten veröffentlichen, austauschen und verteilen.
2.1.1.2. Begründung
Eine Veröffentlichung von Informationen, wie sie in vielen Blogs und sozialen Netzwerken zu finden sind, wird von klassischen Medien oft abgelehnt, da sie oft entweder zu unbedeutend oder zu speziell seien.
Allein die sehr hohen Produktions- und Vertriebskosten von Print- und Rundfunkmedien und der begrenzte Umfang der Formate ließen es nicht zu, Berichte von passionierten Laien, semi-professionelle Fachartikel oder Anekdoten aus persönlichen Lebensgeschichten zu veröffentlichen, wenn thematisch nicht genug lokales und breites Zielpublikum angesprochen und erreicht werden kann.
Dagegen sind die Kosten für die Dienste zur Speicherung und den Abruf von Informationen im Internet nahezu vernachlässigbar. Viele Anbieter (z.B. Google, Webhoster) stellen diese Dienste dem Nutzer kostenfrei oder zu geringen Gebühren zur Verfügung.
Die so bereitgestellten Nachrichten sind weltweit 24 Stunden täglich verfügbar. Es kann jedes Klientel mit Informationen bedient werden, für die in klassischen Medien keine Verbreitungsmöglichkeiten bereitgestellt werden kann.
Folglich bietet das Internet eine wesentlich höhere Informationsvielfalt und eine bessere Verfügbarkeit und Verteilbarkeit.
2.1.2. Veröffentlichung von Nachrichten und Diskussionen
2.1.2.1. These
Nachrichten können im Internet sofort weltweit veröffentlicht werden. Zeitgleich ist es dem Publikum möglich, sie zu kommentieren und darüber in einem breiten sozialen Spektrum zu diskutieren. Dadurch wird die Meinungsbildung unabhängiger vom Medium.
2.1.2.2. Begründung
Zwar ist es auch den Rundfunkmedien möglich, Nachrichten sofort zu veröffentlichen, jedoch ist hier international mit Verzögerungen oder Veränderungen zu rechnen. In vielen Staaten findet eine Zensur oder eine gesinnungsgeprägte Selektion der klassischen Medien statt, so dass diese objektiv unbrauchbar werden.
Die Echtzeit-Diskussion über Landesgrenzen und Kulturkreise hinweg könnten eine differenziertere Analyse der Informationen zulassen, um sie auf ihren Wahrheitsgehalt zu prüfen. Impulsgeber sind jedoch auch im Internetzeitalter meist die klassischen durch Journalismus geprägten Medien. Doch verschwimmt durch die lebendige Diskussion ihr klassisches Bild von der einseitigen Kultur entweder linker und oder konservativer Berichterstattung hin zu einer Kultur in Richtung Wahrheit, da sich verschiedene Quellen zeitnah vergleichen und einbringen lassen. Die konsumierten Nachrichten müssen somit nicht länger unreflektiert gelassen werden, sondern sie können in der Auseinandersetzung mit Anderen direkt kritisch auf die Qualität ihrer Aussage überprüft werden. Das zugrunde liegende Medium hätte somit weniger direkten Einfluss auf die Meinungsbildung.
In Printmedien ist eine Stellungnahme zu einem Artikel nur über Leserbriefe möglich, deren Veröffentlichung auch nicht zwingend gegeben sein mag. In Rundfunk und Fernsehen ist ein Dialog nahezu überhaupt nicht möglich. Hier ist man als Konsument allein auf die Programmauswahl, nicht aber auf die direkte Einflussnahme und Teilnahme beschränkt.
Folglich sind die Nachrichten im Internet zu einem aktiven Medium geworden, an denen man sich, anstatt nur passiv zu konsumieren, auch aktiv beteiligen kann.
2.1.3. Informationsselektion durch Individualisierung der Nachrichtenströme
2.1.3.1. These
Die Individualisierung von Nachrichtenströmen macht eine einfachere und effizientere Selektion von Informationen möglich.
2.1.3.2. Begründung
Beim Kauf einer Tageszeitung, eines Fachmagazins müssen auch Artikel mitgekauft werden, für die der Käufer kein Interesse hat.
Beim Konsumieren von Nachrichensendungen im Rundfunk ist es nicht möglich, uninteressante oder nicht benötigte Informationen auszuschließen. Die Abfolge der Informationen bei Rundfunk und Fernsehen nicht beeinflussbar.
Im Internet sind die benötigten Informationen meist einzeln abrufbar. Sie können auf Portalseiten und in Newsfeeds in Interessengruppen aufgeteilt oder mit Lesezeichen versehen werden. Die Informationen beschränken sich auf die Informationsbedürfnisse des Nutzers.
Daher erspart sich der Konsument Geld und Zeit. Allerdings wird die Individualisierung durch den Nutzer gerade durch “intelligente” Algorithmen abgelöst. Sie nehmen dem Nutzer diese Arbeit oft unbemerkt ab. Daraus können sich negative Konsequenzen entwickeln.
2.2 Gefahren für die Nachrichtenkultur
2.2.1. Isolation durch automatisierte Individualisierung
2.2.1.1. These
Die automatisierte Individualisierung isoliert den Nutzer von Informationen, die nicht seinen Interessen, Ansichten und Vorlieben entsprechen.
2.2.1.2. Begründung
Die automatisierte Individualisierung durch “intelligente” Algorithmen, wie sie zum Beispiel von Bing, Google und Facebook benutzt werden, filtern die Informationen aufgrund weitreichender Nutzungsprotokolle. Damit wollen sie sicherstellen, dass erstens die Kundenzufriedenheit eine möglichst schnelle Befriedigung seiner Meinung durch zusprechende Resultate erfährt und zweitens nur relevante Werbung eingeblendet wird. Der Benutzer hat weder Einblick das zugrunde liegende, über ihn angefertigte Profil, noch Steuerungsmöglichkeiten über das Programm.
Dies hat zur Folge, dass dem Nutzer kritische Informationen, die nicht seinem protokollierten, statistisch berechneten Meinungsbild entsprechen, herausgefiltert werden. Eine objektive Suche nach Informationen und Nachrichten ist somit nicht mehr ohne Weiteres möglich.
Der Nutzer wird unfreiwillig in einer isolierten “Informationsblase” gefangen, in der er nur noch Zuspruch erhält.
Diese Reduzierung kann sich negativ und einseitig auf die Meinungsbildung und die Selbstreflektion auswirken.
2.2.2. Qualität und Verifizierbarkeit der Informationen
2.2.2.1. These
Unabhängiger Journalismus durch klassische Qualitätsmedien ist in der “Kostenloskultur” des Internets bald nicht mehr bezahlbar.
2.2.2.2. Begründung
Die klassischen Medien haben auch im Internetzeitalter einen sehr hohen Stellenwert. Doch durch den Rückgang der Verkaufszahlen der klassischen Medien werden Redaktionen unter Kostendruck gesetzt. Durch Werbung alleine lasse sich guter Journalismus nicht bezahlen.
Ein Grund, warum einige Redaktionen statt auf teure Recherche und eigenes Bildmaterial auf gesponserte Artikel und geschönte Bilder aus den PR-Agenturen großer Lobbyisten zurückgreifen und sie teils ungekennzeichnet verwenden.
Auch der Ankauf von Artikeln der Nachrichtenagenturen, vertrieben über den eigenen Internetauftritt, verwässert die traditionelle Nachrichtenkultur in einen Einheitsbrei.
Das Gros an Internetnutzern scheint allerdings darauf zu bestehen, die Nachrichten, Artikel und Beiträge allein durch die Einblendung von Werbung als finanziert anzusehen, obwohl viele Verlage das verneinen.
Somit könne man, wenn die Verlage keine adäquate Lösung für die Finanzierung des traditionellen Qualitätsjournalismus finden, davon auszugehen, dass sich die Qualität der Nachrichtenkultur verschlechtert.
2.2.2.3 These
Durch die Vervielfältigungsmöglichkeiten und die rasante Verbreitung sind unbeabsichtigte und beabsichtigte Fehlinformationen nicht nur häufiger sondern auch gefährlicher.
2.2.2.4 Begründung
Was in den klassischen Medien als “Zeitungsente” bekannt war, heißt im Internetzeitalter Hoax. Bei einem Hoax handelt es sich um eine, meist absichtlich verfasste, sich aufgrund einer im Text befindlichen Brisanz schnell verbreitende Falschmeldung.
Die Informationen sind, weil meist kein Autor, kein Publikationsdatum und keine Quellen genannt werden, nur durch Rückfrage bei der durch den Hoax geschädigten Institution verifizierbar.
Die oben beschriebenen Angaben fehlen häufig auch bei “normalen” Internetartikeln, was entweder die Information nutzlos macht oder eine umfassende Recherche nach sich zieht.
Daher ist nicht immer oder nur sehr schwer feststellbar, ob es sich um vertrauenswürdige oder allgemein um wahre, aktuelle Informationen handelt.2.2.3. Reflektionsfähigkeit und Selbstdarstellung des Publikums
2.2.3.1. These
Kommentare und Diskussionen sind unbrauchbar zur Meinungsbildung, sie dienen meist der Unterhaltung.
2.2.3.2 Begründung
Durch verfälschte Selbstdarstellung, verzerrte Selbstwahrnehmung und mangelnde Reflektionsfähigkeit einiger Beteiligten kommt es häufig zu populistischen, themen- oder sachfremden Beiträgen.
Auch soll der Anteil anekdotischer Evidenz sehr hoch sein, was sachliche Diskussionen weiter erschwert.
Demnach ist es teilweise erforderlich, dass Diskussionen moderiert werden, wenn dies auch einer Beschneidung der Meinungsfreiheit nahe kommt. Wichtiger ist jedoch, den Nutzern Kompetenzen zu vermitteln, um selbstkritisch mit sich und kritisch mit den Meinungen, Informationen und Nachrichten anderer umzugehen.
2.3. Persönliche Schlussfolgerung
Für mich überwiegen die Chancen, die sich positiv auf die Nachrichtenkultur auswirken. Die Umverteilung der Meinungsbildung, weg von den gesinnungsbehafteten Meinungsmachern der Medien, zu den Menschen ist für mich deutlich erkennbar und das schlagkräftigste Argument. Manipulationen können durch die Vielzahl an Menschen schnell und effektiv aufgeklärt werden. Der Erfahrungsaustausch über das Internet mit Menschen, die man nicht unmittelbar treffen kann, ja, die man ohne die Vernetzung wahrscheinlich nicht kennengerlernt hätte, birgt ein unermessliches Potential an Synergieeffekten.
Gleichzeit muss aber bewusster werden und bleiben, dass die Nachrichten des Internets leichter manipuliert werden können.
3. Schluss
Allerdings vermute ich, dass der Wunsch nach Selbstbestimmung in der Informationsgewinnung als wesentlicher Punkt unseres Informationszeitalters hervorgehen wird und dass sich die Mehrheit weiter gegen Fremdbestimmung und Unterdrückung, gerade mit Hilfe der neuen Nachrichtenkultur, wehren werden.
Quellen und Danksagung
Bei diesem Aufsatz handelt es sich um eine Hausaufgabe des Vorkurses A des städtischen Abendgymnasiums München.
Ich habe im Text auf direkten Quellenbezug keine Rücksicht genommen und bitte um Nachsicht.
Viele Anhalte und Stichpunkte für Thesen und Argumentation habe ich von der famosen Google+-Gemeinde bekommen.
Vielen herzlichen Dank an meine G+-Freunde und Beteiligte!
Namentlich (oder unter Pseudonym) bedanke ich mich bei:
+Angelika W., +Karin Sebelin, +Daniel Glass, +Monique Jacobse, +Thames Sinclair, +Guido Hartenberg, +Hanno Gardemann, +Dieter Müller und +Mario Mišić.
Internetquellen für die Recherche waren unter Anderem:
http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,808170,00.html
http://de.wikipedia.org/wiki/Informationsqualit%C3%A4t
http://www.work-innovation.de/blog/2006/02/glaubwuerdigkeit-und-qualitaet-von-information/
http://saschalobo.com/2011/11/01/wie-mich-die-filter-bubble-einmal-linkte/
http://freelens.com/freelens-magazin-25/pr-journalismus-der-dritte-weg
http://www.dtp-neuemedien.de/neue-medien/alte-und-neue-medien.htm
http://www.weckup.de/archiv/single/datum/2011/02/20/pro-und-contra.html
Published by Google Docs–Report Abuse–Updated automatically every 5 minutes
(Quelle des Artikels: https://docs.google.com/document/pub?id=1IgJ-rZIQ6fJ02mnHB57LUcAjCmV0Psn7xMNWdK99_g8)
Tags: Christian Trant, Nachrichten, Nachrichtenkultur, Nachrichtenströme, Social Media












